LightWalk in Berlin

LightWalk in Berlin

Wer an Berlin denkt, der denkt auch an Nachtleben. Doch Nachtleben ist nicht nur Spaß, sondern hat für viele vor allem mit Arbeit zu tun. Darüber habe ich in meinem Post über Christine Preisers Vortrag über Türsteher schon mal berichtet. Was alles noch wichtig ist, damit das Nachtleben möglichst reibungslos funktioniert, dass ist zur Zeit Thema der Konferenz „Stadt nach Acht“. Und wer über Nachtleben spricht, der darf auch das Thema Licht nicht vergessen.

Teilnehmer des LightWalk lassen die Beleuchtung einer Straßenkreuzung auf sich wirken

Nun kann man über Licht viel reden, aber der beste Weg, Licht zu erfahren, ist es zu sehen. Deshalb haben Josiane Meier und Dietrich Henckel vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin im Rahmen der Berliner Nachtungen  zu einem LightWalk eingeladen. Startpunkt war Kreuzberg und von dort aus ging es dann über die Spree zur Warschauer Straße. Die Aufgabe der Teilnehmer war es, sich an verschiedenen Punkten zu überlegen, wie ihnen die Lichtsituation vor Ort gefällt und warum. Dabei kamen ganz unterschiedliche Empfindungen über die Beleuchtung heraus – aber manchmal waren sich die Teilnehmer auch einig.

Was allen auffiel war die oft sehr unterschiedliche Beleuchtung. Das fiel besonders an einem Platz in eine Wohnstraße auf, an dem einige Lampen warm-weißes, andere kalt-weißes Licht abstrahlten. Dazwischen lagen viele dunklere Bereiche, von denen einer auch von einer Gruppe trinkender Männer genutzt wurde. Spooky, unheimlich, nannte ein englischer Teilnehmer die Stimmung. Mir gab der Ort ein Gefühl der Unsicherheit. Eigentlich seltsam, denn wir standen direkt vor einem Nachbarschaftszentrum, aus dem einladendes, warmes Licht strömte. Durchaus gemütlich, war der Eindruck einer anderen Teilnehmerin. Unsicher fühle sie sich überhaupt nicht.

Der restliche Walk führte vor allem vorbei an Restaurants und Cafés bis in einen Bereich mit Nachtclubs. In dem bunten Potpourri aus Licht fiel die Kreuzberger Straßenbeleuchtung aus Quecksilberdampflampen kaum auf. Eigentlich könnte man sie auch ausschalten, einigten sich die Teilnehmer. Und viele der Lampen waren das auch.

Auf der Nordseite der Spree dominierte dann aber doch die Straßenbeleuchtung wie hier an der Kreuzung Warschauer Straße / Strahlauer Allee. Die ist hell erleuchtet um die Verkehrssicherheit zu garantieren. Zu hell nach Meinung der LightWalker. Eine Teilnehmerin meinte sogar, es sei taghell.

Das Urteil „Langweilig“ bekam dann die Beleuchtung der Warschauer Brücke, eine breite Brücke über die Bahnanlagen. Das monochromatische Licht der Natriumdampflampen zerstöre alle Farben, so die Kritik. Überstrahlt wurde das Ganze von einer hell erleuchteten Großbaustelle, auf der noch um 21:00 gearbeitet wurde.

 

Positiv bewertet wurden die Bemühungen der Club-Betreiber, eine früher gefährliche Stelle so zu beleuchten, dass keine dunklen Ecke entstehen, aber trotzdem ein angenehmes Gefühl herrscht. An dieser Stelle war dann auch Zeit für ein Gespräch über Licht. Klar wurde, dass die Erwartungshaltung viel damit zu tun hat, wie wir Licht empfinden. Ein junger Engländer beschrieb sich als sehr aktiv. Er will auch abends helles Licht haben. Ich selbst, die Städte und Clubs nicht besonders mag, habe gerne ausgeglichenes Licht, während Christine Preiser, Expertin für Nachtleben, sich in der Clublandschaft sicher fühlt und gerne auch mal dunkle Ecken zum Entspannen hat.

Berlin von der Internationalen Raumstation aus gesehen. Foto von NASA/ISS 2016

Und eine Berliner Besonderheit fiel auf: Die unterschiedlichen Lichtfarben beziehungsweise Leuchtmittel. Während im ehemaligen Westberlin kalt-weiße Quecksilberdampflampen und weißes LED-Licht vorherrschen, liegt das ehemalige Ostberlin im orangenen Schein der Natrium-Dampflampen. Ein Überbleibsel aus den Zeiten der Teilung, das nur langsam verschwindet. Für Begeisterung sorgte dann die Erkenntnis, dass die hübschen viktorianisch anmutenden Lampen in der Wohnstraße noch echte Gaslaternen sind. Deren Licht, so waren sich alle einig, fällt vor allem durch Dezentheit und historischen Charme auf. Auch wenn in manche dieser „Gaslaternen“ inzwischen warm-weiße LEDs flackern.

Hier noch ein paar Impressionen:

Ein hell, aber warm beleuchtetes Restaurant in einer Kreuzberger Nebenstraße

LED-Werbetafel an der Station Warschauer Straße

Ein beleuchteter Sportplatz, im Hintergrund der Fernsehturm. Die geschlosssene Wolkendecke erzeugt einen deutlichen Skyglow.

Die dezent beleuchtete Oberbaumbrücke hinter kalt-weissen, schon fast grün wirkenden Straßenlampen

Fotos (mit Ausnahme des Satellitenfotos) von Annette Krop-Benesch.

 

 

Der Artikel ist auch in en_GB verfügbar.

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