Cities at Night

Cities at Night

Berlin bei Nacht von der ISS aus gesehen. Credits to NASA

 

Sind Sie schon mal bei Nacht geflogen? Und waren Sie auch fasziniert von den Lichtern, die unter Ihnen vorbeiziehen? Straßenlampen wie Perlenketten aus Licht, funkelnde Städte in weiß, blau und orange? Wenn Sie in einem solchen Moment den Wunsch hatten, die Welt unter Ihnen zu fotografieren, dann geht es Ihnen wie den Astronauten, die unsere Erde umkreisen. Fast zwei Millionen Fotografien aus dem All lagern in den Archiven der NASA – wahre Schätze.

Schätze nicht nur für Ästheten, denn für Wissenschaftler, die über künstliches Licht bei Nacht arbeiten, stellen diese Bilder eine unbezahlbare Ressource für Ihre Forschung dar. Anhand dieser Fotos lässt sich nämlich herausfinden, welche Bereiche der Erde wie stark beleuchtet sind, wo es Brennpunkte für Lichtverschmutzung gibt, wo Beispiele für effiziente Lichtnutzung zu finden sind, und wie sich die Lichtverschmutzung im Laufe der Jahre verändert. Auch lassen sich Zusammenhänge untersuchen, beispielsweise, ob in hellen Gebieten das Krebsrisiko erhöht ist, oder wie sich nächtliche Beleuchtung auf Tiere und Pflanzen auswirkt.

Cities at Night ist eine Gruppe von Wissenschaftlern um Alejandro Sanchez, die sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Weltkarte der Nacht zu erstellen. Die bisher beste Karte dieser Art wurde zusammengesetzt aus Bildern des Suomi National Polar-orbiting Partnership (Suomi NPP) Satelliten, die über insgesamt 22 Tagen in 2012 aufgenommen wurden.

NASA Earth Observatory image by Robert Simmon, using Suomi NPP VIIRS data provided courtesy of Chris Elvidge (NOAA National Geophysical Data Center).

Cities at Night will mehr Details und über längere Zeiträume zusammentragen. Bildmaterial gibt es genug, das Problem ist jedoch, all die Fotos zu sichten. Denn viele der Fotos aus dem All werden automatisch aufgenommen, ohne dass ein Astronaut sich das Motiv aussucht. Und natürlich zeigen viele Bilder auch andere Astronauten der Sterne. Deshalb braucht Cities at Night die Hilfe von Freiwilligen, die sich Fotos aus der Datenbank ansehen. Dabei gibt es zwei Stufen: Dark Skies und Night Cities.

Bei Dark Skies werden Ihnen Fotos gezeigt und Sie entscheiden, ob es sich um eine Stadt, Sterne, eine Aurora oder etwas ganz anderes handelt. Der Vorgang ist einfach, dauert nur wenige Sekunden und hat eindeutig Suchtgefahr. Ich musste mich beim ersten Testlauf regelrecht losreißen und es sind beeindruckende Bilder der Erde dabei. Genau das Richtige, um sich bei schönen Fotos zu entspannen.

Wer mehr gefordert werden will, für den ist Night Cities das Richtige. Hier geht es darum, die Stadt auf den bereits als Städte identifizierten Fotos zu erkennen und geographisch einzuordnen. Eine Chance, die Welt kennenzulernen und die eigene Heimatstadt zu finden.

Welches Projekt Sie sich aussuchen, hier können Sie Wissenschaft auf dem Sofa machen. Cities at Night arbeitet übrigens mit den Citizen Science Projekten Globe At Night und Verlust der Nacht zusammen. Diese Projekte laden Sie ein, nicht die Lichter auf der Erde zu betrachten, sondern hinaus in die Nacht zu gehen und den Sternenhimmel zu erkunden. Indem Sie Sterne zählen, können Sie messen, wie hell der Himmel an Ihrem Standort ist. Ebenfalls eine wichtige Information für die Forschung über künstliches Licht bei Nacht. Alle Projekte gehören zu Stars4All, einem internationalen Verbund von Initiativen, die unseren Sternenhimmel erhalten wollen.

Titelfoto: US Golf Küste mit Texas, Louisiana, Mississippi und Alabama. Credits: NASA

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