Nacht Modus für LED Displays – funktionieren sie wirklich?

Nacht Modus für LED Displays – funktionieren sie wirklich?

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Foto: Stocksnap via Pixabay

LED Displays sind aus dem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie finden sich in Computern, Smartphones, E-book Readern und Fernsehern. Wir nutzen sie zu allen Tageszeiten, bis spät in die Nacht, oft genug bis kurz bevor wir ins Bett gehen. Seien wir ehrlich, die meisten von uns haben mehr Arbeit als sich an einem Acht-Stundentag bewältigen läßt und ein gutes Buch im Bett ist ein alt-bewährtes Rezept zum Einschlafen. Aber es scheint, als würde dieses Rezept seine Wirkung verlieren. Jeder dritte Deutsche, so die aktuelle Schlafstudie der Techniker Krankenkasse, klagt über Schlafprobleme. Zuviel Stress durch Arbeit und Privatleben sind eine sinnvolle Erklärung, aber auch ein technisches Problem hat einen Anteil: LEDs.

Mehrere Studien konnten inzwischen zeigen, dass blaues Licht aus LEDs die Produktion von Melatonin reduziert, dem Hormon, das uns beim Einschlafen hilft. Anne-Marie Chang und ihre Kollegen untersuchten den Effekt von selbst-leuchtetenden Ebook-Readern im Vergleich zu gedruckten Büchern an 12 jungen Erwachsenen. Die Teilnehmer lasen in fünf aufeinanderfolgenden Nächten vor dem Schlafengehen vier Stunden lang Ebooks. In der letzten Nacht wurden die Unterschiede zwischen dem Ebook-Lesen und dem Lesen gedruckter Bücher deutlich: nach dem Ebook-Lesen hatte die Teilnehmer eine 55% Reduktion ihrer Melatoninkonzentration, brauchten etwa 10 Minuten länger zum Einschlafen und verbrachten weniger Zeit im REM-Schlaf. Die Benutzung eines Ebooks gab den Teilnehmern das Gefühl, abends wacher zu sein, am Morgen brauchten sie aber deutlich länger, um „richtig wach“ zu werden. Ein Blick auf die Melatoninkurve zeigte, dass ihr biologischer Rhythmus gegenüber den Nächten mit einem Buch um ganze 1,5 Stunden verschoben war.

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Die getesteten Ebook-Reader gaben ein bläulich-weißes Licht ab, wie es bei den meisten LED-Displays der Fall ist. Dessen Maximum lag bei 452 nm, die Wellenlänge, auf die unser zirkadianes System reagiert. Dieses Licht gaukelt uns vor, es wäre Tag, selbst mitten in der Nacht und schiebt sorgt dafür dass unsere innere Uhr nachgeht. Dieses Nachgehen kann besonders für Jugendliche zum Problem werden. Deren innere Uhr geht im Vergleich zu Erwachsenen sowie nach, so dass Jugendliche naturgemäß spät einschlafen und aufwachen. Wenn Sie sich jemals gefragt haben, warum ein Teenager morgens nur unter Gewaltanwendung aus dem Bett kommt und eher an einen Zombie als einen Schüler erinnert, hier haben Sie ihre Antwort. Heutige Teenager verbringen viele Stunden vor LED-Displays, sei es für Schularbeiten, Kommunikation oder Entspannung. Wird der ohnehin schon späte biologische Rhythmus nun durch abendliches Blaulicht weiter nín die Nacht verschoben, wird as Aufstehen am Morgen noch schwerer, mit deutlichen Folgen für Gesundheit und Leistunsgfähigkeit.

Die Hersteller von Geräten mit LED-Displays haben bereits reagiert. Es gibt Computerprogramme, die den Blauanteil am Abend reduzieren, das am besten bekannte ist wohl das kostenfreie f.lux. Viele Geräte haben zudem eingebaute Funktionen für einen wärmeren, gelblicheren Bildschirm. Eine Forscherteam um Mariana Figueiro vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, USA, hat nun den iPad Night Shift Modus getestet. Zwölf Teilnehmer wurden über vier einzene Nächte untersucht. Der iPad Night Shift Modus erlaubt die Einstellung der Farbtemperatur zwischen „weniger-warm“ (5997 K) und „mehr-warm“ (2837 K), beide Extreme wurden getestet. Zusätzlich wurden die Probanden unter Einfluss von Blaulicht-Brillen als starker zirkadianer Stimulus und orangenen Brillen ohne Unterdrückung der Melatoninproduktion untersucht.

Tatsächlich unterdrückten die beiden Night Shift Modus Einstellungen die Melatonin-Produktion der Probanden weniger stark als die Blaulicht-Brillen. Dennoch lag der Melatonin-Spiegel mit dem iPad deutlich niedriger als in der Kontrollgruppe mit den orangenes Brillen, egal, welche Farbtemperatur eingestellt wurde. Das deutet darauf hin, dass das iPad trotz Night Shift Modus einen störenden Einfluss auf das Melatonin und damit auf den zirkadianen Rhythmus hat. Zusätzlich zur Veränderung der Lichtfarbe empfehlen die Autoren daher eine Reduktion der Lichtstärke des Gerätes.

Foto: Arieth

Die Entwicklung von Anwendungen wie der Night Shift Modus ist in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch sollten wir vorsichtig sein mit der Nutzung von LED-Displays in den Abendstunden, besonders bei Kindern und Jugendlichen, die empfindlicher auf Licht und Veränderungen des biologischen Rhythmus reagieren. Die Ergebnisse von Mariana Figueiro bieten zudem eine gesunde Entschuldigung, nicht bis tief in die Nacht am Computer zu arbeiten. Und vielleicht hat das gute alte gedruckte Buch doch noch nicht ausgedient.

Quellen:

Chang, A. et al., 2015. Evening use of light-emitting eReaders negatively affects sleep , circadian timing , and next-morning alertness. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 112(4), 1232–1237

Nagare, R., Plitnick, B. & Figueiro, M., 2018. Does the iPad Night Shift mode reduce melatonin suppression? Lighting Research & Technology, 147715351774818

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