Sichere Straßenbeleuchtung: Heller ist nicht immer besser

Sichere Straßenbeleuchtung: Heller ist nicht immer besser

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Eine meiner Lieblingsaussagen in der Diskussion über Straßenbeleuchtung ist, dass wir möglichst viel Licht brauchen, um Frauen vor Überfällen zu schützen. Frauen, so die Aussage, wollen hell erleuchtete Straßen, in denen sie einen Herankommenden gut sehen und seine Absichten einschätzen können. Diese Aussage kommt in den meisten Fällen von Männern.

Nun, ich bin eine Frau, und ich bin ziemlich oft nachts unterwegs. Manchmal ist das in einem einsamen Wald, auch schon mal in einem afrikanischen Camp bei Stromausfall, öfter in einer Ortschaft und meistens in Berlin. Ich habe also genug Erfahrung um eines sagen zu können: ja, ich möchte genug Licht um zu sehen, ob vor mir ein Loch (oder eine Schlange) im Weg ist oder wer mir da entgegen kommt. Das Problem ist allerdings, dass mir das die moderne Straßenbeleuchtung oft alles andere als einfach macht. Warum?

Vor Kurzem haben Jim King und Steve und Amelia Goldberg von der Houston Astronomical Society ein Video auf YuTube veröffentlicht, das sehr gut zeigt, wie eine Fußgängerin durch das Licht einer nicht-abgeschirmten Sicherheitsbeleuchtung unsichtbar wird.

Es ist gut zu sehen, wie die Fußgängerin optisch verschwindet, sobald sie unter dem nicht-abgeschirmten Licht hindurchgeht, aber sehr gut unter der abgeschirmten Lampe zu sehen ist. Der Grund ist Blendung: das helle Licht überfordert unsere Augen und wir erkennen nichts mehr. Im Video gibt es übrigens nur eine nicht-abgeschirmte Lampe, das zweite Licht ist eine Reflektion an einer Hauswand.

Ein weiteres Problem mit zu heller Beleuchtung demonstriert The Dark Ranger in diesem Video:

Das Straßenlicht ist so hell, dass wir nicht mehr sehen, was sich im Schatten aufhält. Doch wer auch immer im Schatten wartet, hat eine erstklassige Sicht auf uns!

Vor einiger Zeit war ich im Berliner Tiergarten unterwegs. Dieser große Park ist Aufenthaltsort für Obdachlose und Wildschweine, und so ganz alleine fühlte ich mich um 21:00 nicht gerade wohl. Ich begann meinen Weg auf einer gut beleuchteten Allee, bei der ich problemlos das andere Ende des Parks erkennen konnte. Auch die Radfahrer, die mir entgegen kamen waren gut zu sehen. Was ich aber nicht sehen konnte, war, was in den Büschen neben mir geschah. Der Kontrast war einfach zu stark. Hätte mich jemand überfallen wollen, wäre er klar im Vorteil gewesen.

Ich verließ dann die Allee und wanderte durch einen unbeleuchteten Teil des Parks. Direkt neben mir, nur durch ein paar Bäume getrennt, war der Potsdamer Platz mit dem Sony Center, einer der hellsten Orte Berlins. Daher war es immer noch recht hell. Ich konnte meine Umgebung gut erkennen und sogar in die Büsche schauen, hatte also eine gute Vorstellung davon, was um mich herum geschah. Ich fühlte mich sofort sicherer.

Eine Woche später führte ich eine Gruppe auf dem selben Weg und sie bestätigten meine Empfindungen. Es war deutlich einfacher etwas zu sehen, wenn das Licht weniger hell sondern eher diffus war, und es keine grellen Lichtpunkte gab. Wenn wir also über Sicherheit durch Licht sprechen, sollten wir eines anstreben: Lichtintensitäten, die hell genug sind, um ausreichend zu sehen, aber dunkel genug, um unseren Augen zu erlauben, sich an die Dunkelheit zu adaptieren um auch die Schattenbereiche zu sehen. Was wir auf keinen Fall produzieren dürfen ist Blendung durch punktuelle, grelle Lichtquellen, denn die verbessern unsere Sehfähigkeit kein bisschen. Im Gegenteil, sie irritieren uns, und verschwenden Licht und Energie.

Der Artikel ist auch in en_GB verfügbar.

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