Umweltschutz im Garten: Bitte rund um die Uhr!

Umweltschutz im Garten: Bitte rund um die Uhr!

Das Wetter wird (mehr oder weniger) wärmer und die Gartensaison hat begonnen. Zeit, kreativ tätig zu werden. Wer einen umweltfreundlichen Garten möchte, der findet bei NABU, BUND und Co. viele gute Ratschläge für Wildblumenwiesen, Schmetterlingsgärten und Insektenhotels. Doch eigentlich beziehen sich fast alle Tipps auf den Garten am Tag. Was wir tun sollten, damit der Garten auch nachts umweltfreundlich ist, kommt viel zu kurz. Deshalb hier ein paar Gedanken zum Nachtschutz im eigenen Garten.

Keine Frage, Gartenbeleuchtung kann schön sein. Sie hat aber auch Konsequenzen, die weit über den Energieverbrauch reichen. Denn auch Gartenbeleuchtung trägt zur Lichtverschmutzung bei.

Bild von Cecilia Cora auf Pixabay

Jeder kennt das Phänomen, dass Insekten auftauchen, sobald man ein Licht auf den Gartentisch stellt. Darunter sind vor allem Motten, die zu den wichtigsten Bestäubern zählen. Das machen sich einige Spinnenarten zu Nutze, die ihre Netze an fest-installierten Leuchten spinnen. Dass die leichte Beute aber auch Nachteile haben könnte, wissen wir von australischen Gartenspinnen. Die großen Orb-Weaver wachsen in beleuchteten Gärten schneller und erreichen früher das fortpflanzungsfähige Alter. Dafür sind sie dann kleiner, legen weniger Eier und es überleben weniger Jungspinnen. Langfristig könnte das Fast-Food an der Lampe also eher ein Nachteil sein. Offensichtliche Verlierer sind Spinnenarten, die das Licht scheuen, denn wenn alle Insekten ins Licht fliegen, verfangen sich weniger in den Netzen im Dunklen.

Eher unbemerkt von uns verändern sich auch die Tierarten, die unter den Leuchten auf dem Boden leben. Laufkäfer und Jagdspinnen fressen die toten oder erschöpften Insekten, doch auch hier verschwinden lichtempfindliche Arten.

Sogar tagaktive Wegschnecken sind von der Gartenbeleuchtung betroffen, und zwar schon von den Solarlichtern, die immer beliebter werden. Wissenschaftler aus Potsdam konnten zeigen, dass die Zahl der Nacktschnecken in beleuchteten Bereichen zunimmt. Warum das so ist, wissen die Forscher nicht, es könnte aber an verbesserten Futterbedingungen durch tote Insekten oder verstärktem Pflanzenwachstum liegen.

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Besonders problematisch ist die Beleuchtung von Bäumen und Büschen. Bodenstrahler, die Pflanzen von unten bestrahlen, tragen zur großflächigen Erhellung des Nachthimmels bei. Viele Tiere übernachten zwischen den Ästen, das künstliche Licht stört ihren Schlaf. Meisen, deren Nistkästen beleuchtet wurden, sind abends länger und morgens früher aktiv, schlafen also zu wenig.

Von vielen Kleinsäugern ist bekannt, dass sie beleuchtete Bereiche vermeiden, da sie hier leichter von Fressfeinden entdeckt werden. Da viele nachtaktive Tiere sehr empfindliche Augen haben ist auch anzunehmen, dass das Licht, gerade wenn es auf Augenhöhe ist, sie blendet. Von Fröschen wissen wir, dass sie helle Orte vermeiden. Sind sie aber aus irgendwelchen Gründen im Licht, zögern sie davor, ins Dunkle zurückzukehren, weil ihre Augen zu lange brauchen, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Bild von PD-USGov, exact author unknown [Public domain]

In einem fledermausfreundlichen Garten hat Beleuchtung schon gar nichts verloren. Dabei mag eine Lampe auf den ersten Blick durchaus positiv für die Fledertiere wirken, denn einige Arten, wie der Große Abendsegler, jagen im Licht die orientierungslosen Insekten. Langsam fliegende Arten wie die Bechsteinfledermaus vermeiden das Licht und müssen mit den wenigen Insekten überleben, die nicht an einer Garten- oder (was viel wahrscheinlicher ist) Straßenlaterne enden.

Doch egal ob lichtempfindlich oder nicht, keine Fledermaus mag Licht an ihrem Schlafplatz und der beste Fledermauskasten nutzt nichts, wenn der Weg dorthin beleuchtet ist. Dunkle Gärten sind daher wertvolle Rückzugsgebiete für die bedrohten Flugsäuger.

Bild von Jerzy Górecki auf Pixabay

Sinnvoll ist auch eine nachtaktive Bepflanzung. Einige Pflanzen blühen nachts und locken damit nachtaktive Insekten an. Das ist nicht nur gut für die Fledermäuse, sondern auch für die Insekten. Die Nachtkerze belohnt den Gärtner zudem mit dem Öffnen der Blüten am Abend, wenn sich andere Blüten schließen. Wer abends in einem Nachtgarten sitzt, darf dann den Duft der Nachtblumen genießen. Informationen über nachtaktive Pflanzen gibt es zum Beispiel beim NABU.

Heikel ist auch die Beleuchtung von Teichen. Nicht nur stört das Licht Fische und Frösche, es hat auch Auswirkungen auf die Algen. Ist es zu hell, kann es vermehrt zu Algenwachstum kommen, zumal die Flohkrebse, die nachts die Algen abweiden sollten, das Licht meiden.

Nicht zuletzt sollten Sie bei Ihrem Garten auch an die Pflanzen denken. Verblüffend wenig ist bisher erforscht über die Auswirkung nächtlicher Beleuchtung bei Pflanzen. Gut bekannt ist, dass verlängerte Tage bei einigen Pflanzen höhere Erträge bringen und das Blühen auslösen. Bei anderen Pflanzen hat es aber die gegenteilige Wirkung. Gut zu beobachten ist auch, dass Bäume neben einer Straßenlaterne früher ausschlagen und länger ihre Blätter behalten – was sie anfälliger für Frost macht. Es gibt sogar erste Anzeichen für einen Burn-Out bei Bäumen, wenn sie auch nachts Photosynthese betreiben. Und so seltsam es klingt, auch Pflanzen schlafen. Werden sie beleuchtet, ist das ebenso stören für sie wie für unsere tierischen Gartenbewohner.

Hier schließt sich auch wieder der Kreis zu den Insekten. Beleuchtete Pflanzen werden seltener bestäubt und bilden weniger Früchte. Wer also seine Obstbäume und seinen Gemüsegarten beleuchtet, muss mit weniger Früchten rechnen.

Zuletzt noch ein Wort zu den beliebten Solarlichtern. Solarstrom gilt zwar als umweltverträglich, wirklich umweltfreundlich sind Solarlichter aber keineswegs. Die Produktion von Solarzellen und Akkus verbraucht viele seltene Erden. Auch die Entsorgung ist nicht ganz einfach. Billige Solarleuchten halten leider meist nur wenige Jahre, dann geben die Akkus auf. Nun muss der Elektroschrott entsorgt werden. Für LEDs gibt es dafür noch keine wirklichen Konzepte, ein Recycling funktioniert noch nicht. Umweltverträglich sind die kleinen Solarlichter aus dem Baumarkt also keinesfalls.

Bild von Tina P. auf Pixabay

Zusammengefasst sind hier ein paar Tipps für einen nachtfreundlichen Garten:

Schalten Sie das Licht nur ein, wenn Sie es auch wirklich anschauen. Zeitschaltuhren sorgen dafür, dass nachts auch wirklich abgeschaltet wird. Und ganz ehrlich, niemand bewundert ihre Gartenbeleuchtung um drei Uhr nachts.

Weniger ist mehr! Beleuchten Sie mit wenig Leuchten und geringer Intensität. Für Nutzlicht gilt, dass Sie mit einem Licht anfangen und die Intensität langsam steigern, bis Sie ausreichend Licht haben. Leuchten aus dem Baumarkt sind oft absolut überdimensioniert. Übrigens ist bei den Lichtdesignern das Dunkeldesign gerade groß im Kommen. Hier wird mit Kontrasten gearbeitet und Licht eher zurückhaltend verwendet, um die Mystik der Nacht zu erhalten.

Licht nur nach unten strahlen lassen. Nutzen Sie abgeschirmte Leuchten um das Licht auf die Stellen zu bringen, wo es benötigt wird. Damit vermeiden Sie auch, selbst geblendet zu werden. Installieren Sie keine Bodenstrahler (deren Lebenszeit ist sowieso eher gering und das wenigste Licht wird gesehen, weil es eben nach oben strahlt) und verzichten Sie darauf, Bäume anzustrahlen.

Nutzen Sie warmes Licht. Neutral- und kalt-weißes Licht mag energieeffizienter sein als warm-weiß oder gar bernsteinfarben, die geringe Energieersparnis gleichen sie aber durch die anderen ökologischen Folgen wieder mehr als aus. Licht über 3000 Kelvin beeinflusst die biologischen Rhythmen von Menschen und Tieren, zieht mehr Insekten an und blendet ihre Nachbarn stärker.

Der beste Tipp für eine nachtfreundliche Beleuchtung ist allerdings: Verzichten Sie auf Beleuchtung! Lichtdekoration im Garten hat ihren Reiz, umweltfreundlich ist sie aber in keinem Fall.

Wissenschaftliche Studien:

Grunsven et al. 2018. Slugs (Arionidae) benefit from nocturnal artificial illumination. Journal of Experimental Biology 329 (8-9):429-433

Knop et al. 2017. Artificial light at night as a new threat to pollination. Nature 548: 206-209

Kwak et al. 2018. Night Light-Adaptation Strategies for Photosynthetic Apparatus in Yellow-Poplar (Liriodendron tulipifera L.) Exposed to Artificial Night Lighting. Forests 9(2): 74.

MacGregor et al. 2019. Effects of street lighting technologies on the success and quality of pollination in a nocturnally pollinated plant. Ecosphere 10(1): e02550

Puttonen et al. 2016. Quantification of Overnight Movement of Birch (Betula pendula) Branches and Foliage with Short Interval Terrestrial Laser Scanning. Frontiers in Plant Science 7: 4-6

Raap et al. 2017. Disruptive effects of light pollution on sleep in free-living birds: Season and/or light intensity-dependent? Behavioural Processes 144: 13-19

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