Nachhaltige Weihnachtsbeleuchtung

Nachhaltige Weihnachtsbeleuchtung

Foto: bluartpapelaria via Pixabay

Der November hat begonnen. Das Wetter ist trübe, die Tage werden kürzer und Weihnachten steht vor der Tür. Nun ja, zumindest sind mir die ersten Kataloge mit Weihnachtsbeleuchtung ins Haus geflattert und an der ersten Weihnachts-Hausbeleuchtung bin ich auch schon vorbeigefahren.

Um es gleich zuzugeben: Ich mag Weihnachtsbeleuchtung und wir hatten auch viele Jahre eine Lichterkette am Balkongeländer hängen. Die war allerdings nur selten an, weil wir sie per Hand einschalten, wenn wir sie sehen wollten. Denn Weihnachtsbeleuchtung, wie jede andere künstliche Beleuchtung, hat einen Einfluss auf die Umwelt. Und den sollten wir bedenken, bevor wir die Lichter einschalten.

Warum kann Weihnachtsbeleuchtung Probleme machen? Das offensichtlichste ist wohl der Energieverbrauch. Der ist dank modernen LED-Technologie zwar deutlich gesunken, aber oft wird die Einsparung der einzelnen LED ausgeglichen durch eine größere Anzahl an LEDs. Damit wird das Haus dann bunter und heller beleuchtet. Unterm Strich ist die Energie-Ersparnis dann gering, wenn überhaupt noch vorhanden. Eine Lösung sehen viele in solarbetriebener Beleuchtung. Das ist aber oft eine Mogelpackung. Die Herstellung von Solarzellen ist energieaufwändig und verbraucht eine Vielzahl von Chemikalien und Schwermetallen. Ihre Entsorgung ist ebenfalls problematisch. Für hochwertige Solaranlagen mag das akzeptabel sein, aber durch die kurze Lebenszeit der solarbetriebenen Gartenbeleuchtung sind sie keineswegs umweltfreundlicher als Strom aus der Steckdose.

Foto: Hans via Pixabay

Licht beeinflusst unseren Tag-Nacht-Rhythmus, unsere Psyche und unseren Schlaf. Das ist nicht immer negativ. Die meisten von uns kennen die Winterdepression. Das beste Mittel dagegen ist Licht, und so wirkt Weihnachtsbeleuchtung erst Mal stimmungsaufhellend. Doch egal, ob Winter oder Sommer, irgendwann brauchen wir Dunkelheit, um zu Ruhe zu kommen. Helle Weihnachtsbeleuchtung kann es unserem Körper erschweren, in die Nachtruhe zu kommen. Im Extremfall kann es sogar zu Schlafstörungen kommen.

Auch Tiere werden von der Weihnachtsbeleuchtung beeinflusst. Zwar sind im Dezember nur noch vereinzelte Insekten unterwegs, die von der Lichtverschmutzung betroffen wären. Doch viele nachtaktive Säugetiere und Vögel werden von der künstlichen Beleuchtung gestört und vermeiden beleuchtete Bereiche. Bei Vögeln wurde auch festgestellt, dass künstliche Beleuchtung den Schlaf stört – was zu mehr Energiebedarf führt und das Immunsystem schwächt.

Auch die innere Uhr von Tieren und Pflanzen wird durch Licht beeinflusst. Wird der kurze Wintertag durch Weihnachtsbeleuchtung künstlich verlängert, verpassen es manche Tiere, ihren Körper auf Winter umzustellen. Sie setzen nicht genug Fettpolster an, der Stoffwechsel bleibt erhöht, und die geringen Fettreserven sind zu schnell verbraucht. Im Winter kann das tödlich enden. Von Bäumen, die unter Straßenlampen stehen, ist bekannt, dass sie zu früh Knospen bilden und damit frostanfälliger sind.

Gute Gründe also, über die Weihnachtsbeleuchtung nachzudenken. Am umweltfreundlichsten ist sicherlich, darauf zu verzichten. Damit würden wir aber auch einen Teil des Zaubers der Adventszeit verlieren. Deshalb habe ich hier ein paar Tipps für die, die dennoch etwas Licht in die dunklen Wintertage bringen möchten:

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Verwenden Sie warmweißes Licht: Am energieeffizientesten sind kaltweiße LEDs, aber der Stromverbrauch von warmweißen LEDs ist nur geringfügig höher. LEDs mit einer Farbtemperatur unter 3000 Kelvin, also warmweiß, sind freundlicher. Wer richtiges Kerzen-Feeling haben will, besorgt sich am Besten die orange-farbenen Amber-LEDS mit maximal 2200 Kelvin. Das Licht wirkt nicht nur wärmer, sondern hat auch kaum einen Einfluss auf die innere Uhr der Gartenbewohner und stört auch die Nachbarn weniger.

Setzen Sie Akzente statt einer Flutlichtanlage: Kennen Sie die Szene, in der Chevy Chase in Schöne Bescherung seine Hausbeleuchtung anschaltet und die Sicherung durchbrennt? Auch wenn Sie Freude an einer umfangreichen Hausbeleuchtung haben, zu viel Licht ist nicht angenehm für den Nachbarn und eine Lichtverschmutzung für die Umwelt, ganz zu schweigen vom Energieverbrauch. Auch ist mehr nicht immer schöner. Statt Haus und Garten in Licht zu hüllen, setzen Sie doch Akzente und konzentrieren Sie sich auf einzelne, besonders schöne Bereiche.

Foto: Annette Krop-Benesch

Vermeiden Sie zu viel Action: Funkelnde Lichter in unzähligen Farben? Das ist schön für eine Weile, kann dann aber nerven. Zuviel Dynamik bringt Unruhe in eine Zeit, in der wir sowieso zu viel Stress haben. Wie wäre es statt dessen mit statischen Lichtern?

Vorsicht mit Projektoren: Der neue Trend sind Projektoren, die weihnachtliche Motive an Häuserwände projizieren. Das bringt aber gleich eine Reihe von Problemen mit sich: die Projektoren sind sehr hell und beleuchten oft nicht nur die Fassade, sondern strahlen auch am Haus vorbei. Das erhöht die Lichtverschmutzung massiv und kann eine große Belastung für den Nachbarn werden. Bedenken Sie auch, dass das Licht in ihre eigenen Fenster strahlt. Auf keinen Fall darf der Projektor die Straße beleuchten, da es zu gefährlicher Blendung kommen kann. Fraglich ist auch, ob die Projektoren eine Gefahr für die Augen darstellen. Zwar sind die verwendeten Laser weniger gefährlich als die im Laserpointer, aber das helle Licht direkt in eine geöffnete, dunkel-adaptierte Pupille zu bekommen, klingt nach keiner guten Idee. Gerade für Kinder und Haustiere ist eine Schädigung der Augen nicht auszuschließen.

Schalten Sie nachts ab: Niemand bewundert Ihre Weihnachtsbeleuchtung nach Mitternacht. Genießen Sie Ihre Lichter am Abend und schalten Sie nach 22 Uhr ab. Das spart Energie, schont Tiere und Pflanzen im Garten und erleichtert den Schlaf Ihres Nachbarn.

Foto suju via Pixabay

Richten Sie Scheinwerfer nicht nach oben oder zum Nachbarn: Falls Sie Scheinwerfer benutzen, richten Sie sie so aus, dass sie nicht in den Himmel oder über Grundstückgrenze leuchten. Vor allem die Nachbarfenster sollten nicht beleuchtet werden. Licht, dass nach oben strahlt, ist noch über weite Strecken sichtbar und trägt zur allgemeinen Lichtverschmutzung bei.

Reden Sie mit ihren Nachbarn: Fragen Sie einfach mal nach, was Ihren Nachbarn stört und was ihm gefällt. Finden Sie Kompromisse, wenn der Nachbar sich von Ihrer Beleuchtung gestört fühlt und freuen Sie sich, wenn sie den gleichen Geschmack haben.

Wollen Sie mehr über den Einfluss von künstlichem Licht bei Nacht erfahren? Hier finden Sie eine Leseprobe meines aktuellen Buches „Licht aus!? – Die unterschätze Gefahr der Lichtverschmutzung„.

Ursprünglich veröffentlicht am 03. November 2017

6 Replies to “Nachhaltige Weihnachtsbeleuchtung”

  1. Sie haben Recht, zu bunte und blinkende Beleuchtung nervt sehr schnell und ich bevorzuge auch eher dezentere Varianten. Ich möchte ein paar Lampen und einige Dekolichter für den Garten kaufen und dabei möglichst wenig Strom aufwenden, um diese zu betreiben. Ich werde darauf achten, warmweiße LED’s zu verwenden.

    1. Das ist ein guter Ansatz, danke dafür. Wenn Sie es noch besser machen wollen, achten Sie darauf, dass die Lampen nur nach unten leuchten und benutzen Sie die Lampen nur, wenn Sie im Garten sind oder sich das Licht ansehen. Damit sparen Sie noch mehr Strom. Eine diesjährige Studie hat übrigens gezeigt, dass sie inzwischen weit verbreiteten Solarlampen für den Garten die Zahl der Nacktschnecken erhöhen. Ein Grund mehr, sparsam mit Licht im Garten umzugehen. Link zu der Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jez.2170

  2. Wie Sie schon schreiben ist der Energieverbrauch Dank LED Beleuchtung glücklicherweise stark gesunken. Trotzdem tut es mir jedes Jahr in meiner Umwelt-Seele weh, wenn ich die ganzen Weihnachtslichter brennen sehe. Deswegen bin ich selbst auch immer auf Sparsamkeit bedacht, wenn wir festlich beleuchten.

    1. Da stimme ich Ihnen völlig zu. Zur Zeit erleben wir bei Beleuchtung einen Reboundeffekt: die einzelne LED verbraucht weniger Energie, dafür werden dann einfach mehr LEDs verwendet. Unterm Strich ist fraglich, ob wirklich Energie eingespart oder einfach nur mehr Licht produziert wird – mit negativen Folgen für die Umwelt. Dazu kommt, dass weniger Licht oft viel besser betont, worum es in der Weihnachtszeit geht: Ruhe und Besinnung. Im jährlich intensiver werdenden Lichterkampf geht dieser Grundgedanke all zu oft verloren.

  3. Ich mag Weihnachtsbeleuchtung. Jeder der sie benutzt denkt sich dabei etwas und das zu identifizieren wenn man ein Kunstwerk sich anschaut ist wirklich eine tolle Sache. Meine Aufmerksamkeit gilt dann immer mehr der gesamt Komposition und ich frage immer jemanden ob das dann auch schön findet.

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